Ja, ich bin wirklich bei Android "hängengeblieben" und nutze nun seit knapp 3 Monaten ein Honor 7. Honor ist die etwas günstigere Serie des chinesischen Herstellers Huawei, der langsam aber sicher auch mehr und mehr in Deutschland Fuß fasst. Angesichts des Preises von – beim Veröffentlichen dieses Artikels – momentan 299 Euro ist es auch kein Wunder, warum vor allem das Honor 7 ziemlich beliebt ist.

Ich bin nun wahrlich nicht der erste, der ein Testbericht des Honor 7 veröffentlicht – das Gerät kam immerhin schon im August 2015 auf den Markt – deshalb folgt nun auch kein normaler Testbericht mit vielen bunten Fotos, technischen Daten und allgemeinen ersten Eindrücken, sondern ich möchte über drei Aspekte schreiben, die mir beim Honor 7 besonders aufgefallen sind: EMUI, Akku und der Fingerabdrucksensor.

EMUI

Das Honor 7 erscheint mit der vom Hersteller Huawei entwickelten Benutzeroberfläche, die sich EMUI (Emotion UI) nennt. Meine allererste richtige Erfahrung mit Android hatte ich vor einem Jahr mit dem OnePlus One, welches mit CyanogenMod betrieben wurde. Dessen Nachfolger, das OnePlus 2, setzte auf die von CyanogenMod inspirierte Oberfläche OxygenOS. Beide Oberflächen sind dabei ziemlich Vanilla, sind also dem Original-Android so wie es sich Google vorstellt in Funktion und Design ähnlich.

EMUI ist es überhaupt nicht, sondern unterscheidet sich deutlich von allen mir bisher bekannten Android Oberflächen, aber trotzdem – oder gerade deshalb – bin ich ziemlich begeistert von EMUI. Ein großer Kritikpunkt vieler Android Nutzer ist das Fehlen eines sogenannter 'App Drawer', einer Liste bzw. ganz allgemein eine Übersicht aller auf dem Smartphone installierten Apps. In EMUI landen alle Apps die man installiert auf dem Homescreen. Ich habe daran überhaupt nichts auszusetzen, installiere sowieso nur Apps die ich auch benötige, bin dies ja auch schon von iOS gewöhnt gewesen. Eine App installieren und dann irgendwohin im Speicher verschwinden lassen, darin sehe ich keinen Sinn.

Die Designsprache von EMUI – die auch quer durch alle Menüs und Systemapps durchgezogen wird – gefällt mir gut und ist dank der System-eigenen Design-App auch sehr einfach und umfangreich personalisierbar.

Seine Stärken spielt EMUI aber vor allem in Sachen App Management aus. Was für mich – und auch für alle Neu-Einsteiger in die EMUI Welt – am Anfang Probleme verursachte, ist eigentlich eine sehr clevere Verwaltungsmöglichkeit. Grundsätzlich wird jeder App erst einmal verboten im Standby (wenn das Display aus ist) aktiv zu sein. Dies führt dazu, dass Widgets nicht aktualisiert werden und z.B. das falsche Wetter sowie alte Termine anzeigen und Gmail nicht über neue Emails informiert. Dafür wird natürlich aber auch sehr viel Akku bzw. Batterielaufzeit eingespart. Der Nutzer wird mit EMUI quasi ermuntert sich aktiv mit den Apps auseinanderzusetzen und muss erst einmal jeder App explizit die Hintergrundaktivität erlauben. Dies war auch für mich in den ersten Tagen schwierig nachzuvollziehen und brachte es mit sich, dass ich mich erst durch frustrierende "Meine Honor 7 Widget / Meine Honor 7 App aktualisiert sich nicht mehr" Forenbeiträge kämpfen musste um die Lösung zu finden. Insgesamt ist dies eine tolle Sache, um dem Nutzer für stromfressenden Apps zu sensibilisieren und verbessert natürlich die Akkulaufzeit enorm. Man muss halt nur erst herausfinden, dass man unter Einstellungen -> Geschützte Apps die Apps, die im Hintergrund aktiv sein dürfen explizit freigeben muss. Dies sollte in der Oberfläche aber noch deutlicher dargestellt werden, unter dem Begriff "Geschützte Apps" hätte ich ohne Vorwissen nicht diese Funktion vermutet.

Akku

Ich würde mich schon als sogenannten Power-Nutzer eines Smartphones einschätzen. Mehrmals die Stunde checke ich die neuesten Tweets, meine RSS Feeds und diverse weitere Kanäle. Auch wenn ich es nicht gerade benutze, laufen im Hintergrund trotzdem noch eine Vielzahl von Apps und aktualisieren beispielsweise Twitter, RSS, Podcasts, Nachrichten und so weiter. Deshalb bin ich mit der Akkulaufzeit des Honor 7 durchaus zufrieden. An 5 von 7 Tagen in der Woche bringt es mich mit dieser Nutzung problemlos von morgens 5:30 Uhr bis Abends 22 Uhr durch den Tag. Nur wenn ein langer Shopping Tag zu Buche stand (Langweile vertreiben wenn die Freundin sich durch alle Bekleidungsgeschäfte der Stadt durchprobiert – ihr kennt es wahrscheinlich), reicht es nicht. Ansonsten komme ich mit knapp 6 Stunden Bildschirmlaufzeit ("Display On Time") durch einen normalen Tag, was ich durchaus für beachtlich halte.

Das Honor 7 ist wahrlich kein Batteriewunder wie es das OnePlus One gewesen ist, erreicht aber mit einer guten und cleveren App zum Batteriemanagement (die aber für Einsteiger viel zu kompliziert zu bedienen und zu verstehen ist) respektable Batterielaufzeiten, mit denen ich durchaus zufrieden bin.

Fingerabdrucksensor

In meinem Test zum OnePlus 2 – dem ersten täglich von mir genutzten Smartphone mit Fingerabdrucksensor – war ich mit diesem eigentlich ziemlich zufrieden. Der Fingerabdrucksensor im Honor 7 spielt aber noch einmal in einer ganz anderen Liga.

Während sich u.a. im iPhone, den Samsung Modellen und dem OnePlus 2 der Fingerabdrucksensor auf der Vorderseite am Home Button befindet, geht Huawei einen anderen Weg und hat diesen auf der Rückseite verbaut. Mein erster Gedanke war, dass dies doch ein ziemlich unkomfortabler Platz ist und mir nicht vorstellen konnte, dass ich mich damit anfreunden könne. Weit gefehlt, mittlerweile würde ich den Fingerabdrucksensor auf der Rückseite dem auf der Vorderseite immer wieder vorziehen. Wenn ich nämlich das Honor 7 in die Hand nehme, ist zu keinem Zeitpunkt mein Daumen auf dem Display, aber mein Zeigefinger umschliesst das Gerät und berührt nun immer automatisch und schon im Schlaf den Fingerabdrucksensor. Dieser erkennt meine Finger noch einmal ein ganzes Stück schneller und vor allem viel genauer, als es noch beim OnePlus 2 der Fall war. Während ich beim OP2 von einer Erfolgsrate von 8 / 10 Versuchen sprach, würde ich beim Honor 7 etwa 9,5 / 10 schätzen. Während beim OP2 der Finger auch wirklich mindestens eine ganze Sekunde gescannt werden musst reicht beim Honor 7 gerade einmal eine flüchtige Berührung des Scanners und das Gerät ist entsperrt. Das grenzt praktisch schon an Zauberei.

Fazit

Selbst bei einem Preis von 349 Euro – was ich für das Honor 7 vor ein paar Monaten noch gezahlt habe – hätte ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben können. Bei einem momentan Preis von 299 Euro, gibt es nun eigentlich keinen Grund mehr lange zu überlegen. Wer es noch günstiger mag und mit ein paar Abwertungen in Sachen Prozessor und Kamera leben kann, für den ist sicherlich das Honor 5X für sagenhafte 230 Euro eine Überlegung wert. Ich bin mittlerweile total fasziniert von Huawei bzw. genauer gesagt der Honor-Marke und sehr gespannt, was da in Zukunft noch kommen mag.