Ich hatte schon einmal darüber geschrieben, mir ganz persönlich sind Emails, Browserverlauf und Suchhistorie sehr privat und schützenswert. Deshalb bin ich seit Kurzem wieder mit meinen Emails bei Fastmail (Artikel dazu folgt) und nutze schon länger wieder Safari statt Chrome.

Nur bei der Websuche mit Google habe ich mich lange Zeit schwer getan. Ich war immer der Überzeugung, dass Google mir die mit Abstand besten Ergebnisse für Suchen anbietet, insbesondere bei Suchanfragen die zu einem bestimmten Thema sehr ins Detail gehen (Technik, Programmierung etc.). Diese Meinung sah ich als bestätigt an, als ich ab und zu mal ein paar Suchen auf Startpage oder eben DuckDuckGo durchgeführt habe und die Ergebnisse - zumindest auf den ersten Blick - keinesfalls besser als die von Google waren. Doch wirklich tiefer in Alternativen zur Google Suche konnte und wollte ich mich nie wirklich einarbeiten - ein Fehler, wie sich nun im Nachhinein herausstellen sollte.

Seit der Einführung von iOS 8 und OS X 10.10 ist es möglich DuckDuckGo als Standard-Suchmaschine für Mobil- und Desktop Safari einzusetzen. Trotzdem war ich bislang immer noch nicht wirklich überzeugt, was vor allem wohl daran lag, dass ich mir schon vorab eine Meinung pro Google Suche gebildet hatte und ich Alternativen wie DuckDuckGo nie wirklich eine Chance gegeben und ausführlich getestet habe.

Diesmal war es anders. Ich legte sowohl bei iPad und iPhone als auch im Safari Browser unter Mac OS X DuckDuckGo als Standard für alle Suchaufgaben fest und nahm mir vor, dies mindestens eine Woche zu testen. Dieses Experiment ist eigentlich seit zwei Wochen beendet, doch trotzdem nutze ich immer noch DuckDuckGo und vermisse an der Google Suche fast nichts.

Präsentation und Qualität der Suchergebnisse

search-duckduckgo-berlin

Die Präsentation der Suchergebnisse bei DuckDuckGo erinnern an Google in der Anfangszeit. Bei der Suche nach Städten werden zum Beispiel oben ein kurzer einleitender Text aus Wikipedia eingeblendet sowie Verwandte Themen die zur Suche nach der Stadt passen und möglicherweise interessant sein könnten.

Es fällt auf, dass diese Liste klassisch schlicht und dadurch besser lesbar und übersichtlicher ist als bei Google. Es gibt keine gesponsorten Suchergebnisse die nur deshalb ganz oben erscheinen, sondern eine tatsächlich nach Relevanz sortierte Ergebnisliste. Auch werden im Gegensatz zu Google keine Ergebnisse aus dem News-Bereich sowie Bilder zwischen den Suchergebnissen eingeblendet, sodass man ohne Scrollen auf den ersten Blick direkt mehr Suchergebnisse erkennt. Sehr praktisch ist, dass es in der Ergebnisliste keine Seiten gibt die man manuell anklicken muss, sondern weitere Ergebnisse beim Scrollen nach unten dank Infinite Scroll automatisch nachgeladen werden.

Aber auch sonst bin ich von der Qualität der Suchergebnisse von DuckDuckGo wirklich sehr positiv überrascht. Wenn ich beispielsweise nach "Berlin" suche, erhalte ich beim Marktführer Google an 5. Stelle als Vorschlag die Pseudo-Reality Serie von RTL II, mit der ich wirklich nichts anfangen kann und meiner Meinung nach für kaum jemand relevant ist, der nach Berlin sucht. Bei DuckDuckGo erhalte ich stattdessen als Ergebnis an dieser Stelle den Berlin Marathon, die genannte Serie taucht - vollkommen zurecht - dort überhaupt nicht auf.

search-duckduckgo-twitter

Ebenfalls sehr gelungen finde ich die App-Ansicht, die sich bei einigen Suchaufträgen automatisch dazu schaltet und bei bestimmten Suchwörtern (in diesem Fall Twitter) passende Apps empfiehlt. Dabei werden Apps für iOS, Android und sogar Blackberry angezeigt. Dies alles passiert in einem separaten Tab innerhalb von DuckDuckGo, den man erst anklicken muss. Damit ist gewährleistet, dass der Benutzer nicht direkt von diesen Empfehlungen gestört wird, wenn er eigentlich gar nicht nach Apps suchen wollte. Eine clevere Einbindung gelungen umgesetzt.

Privatsphäre

DuckDuckGo bietet natürlich gegenüber der Google Suche den Vorteil des besseren Schutzes der Privatsphäre. Wer bislang die Speicherung der Suchbegriffe angeschaltet hatte und dabei taggenau die Suchtermina der letzten 10 Jahre nachvollziehen kann, dem kann dabei schon anders werden. Vor allem ergibt sich für mich persönlich aus dieser Speicherung der Suchbegriffe kein Mehrwert. Selbst wenn ich in den Google Accounteinstellungen die Speicherung der Suchergebnisse deaktiviere, werden mir diese zwar nicht mehr angezeigt, aber sind trotzdem im Hintergrund zu jedem Zeitpunkt mit meinem Google Account eindeutig verknüpf- und zu­or­dnen­bar.

DuckDuckGo verspricht, dass Suchen anonym durchgeführt, keine Metadaten wie Zeit und IP dazu gespeichert und somit keine Benutzer verfolgt werden können.

DuckDuckGo Bangs

Die Bangs sind so genial, dass sich alleine schon deswegen der Wechsel von Google zu DuckDuckGo gelohnt hat. Bangs sind Operatoren die man einer DuckDuckGo Suche voranstellt und die je nach Bang eine Suche bei einem anderen Online Portal ausführen. Meine meist genutzten Bangs sind die folgenden fünf:

  • !w - Wikipedia
  • !a - Amazon
  • !m - Google Maps
  • !yt - Youtube
  • !g / !i - Google / Google Bilder

Mit diesen Bangs ist es möglich direkt aus der URL Leiste im Browser auf anderen Portalen zu suchen, ohne erst die jeweilige Adresse einzutippen und das Suchfeld zu finden. Eine unglaubliche Erleichterung, gerade Wikipedia und Amazon nutze ich mehrmals täglich und dank DuckDuckGo ziemlich komfortabel.

Fazit

Ich habe endlich den Sprung weg von der Google Suche gewagt und fühle mich bei DuckDuckGo nicht nur sicherer aufgehoben, habe nicht das Gefühl, dass Suchergebnisse schlechter geworden sind - eher im Gegenteil - und habe nun mit den Bangs mehr Werkzeuge an der Hand, die ich in dieser Form nur bei DuckDuckGo finde und ich auch mehrmals täglich intensiv nutze. Schon alleine das gute Gefühl, dass meine durchgeführten Suchen nicht mehr gespeichert und zur Analyse genutzt werden können ist es wert zu DuckDuckGo gewechselt zu sein.